100 Jahre Hof Bimöhlen

100 Jahre Hof Bimöhlen - eine wechselvolle Familiengeschichte

  • 1908-1915
  • 1915-1940
  • 1940-1960
  • 1964-heute
  • 1908-1915

    1908-1915

    Im Jahre 1908 ließ der Ururgroßvater des heutigen Eigentümers Jan Erich Holst ein Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude in Bimöhlen etwas außerhalb des Dorfes bauen.

    Dieser Urahn Ludwig Moritz hatte um die Jahrhundertwende angefangen, in und um Bimöhlen herum Land zu kaufen. Dabei handelte es sich um Heide-, Moor- und Waldflächen, die zum größten Teil noch nicht oder nur sehr extensiv wirtschaftlich genutzt wurden. Die Urbarmachung dieser Flächen kam erst richtig voran, als man im 1. Weltkrieg Kriegsgefangene für diese Arbeiten einsetzen konnte.

    Ludwig Moritz, 31 Jahre (1885-1916), Direktor des Gerichtsvollzieheramtes in Hamburg, war eine außerordentliche Persönlichkeit. Er liebte die schlichte, stille Landschaft, die er meistens zu Fuß mit seinem Handstock durchstreifte. Dieser Handstock wurde auch benutzt, um die Enkelin Isolde dazu anzuhalten gerade zu gehen, er wurde ihr zwischen die Schulterblätter gesteckt. Es gibt diesen Handstock noch. Er wird von den Familienmitgliedern in Ehren gehalten.
  • 1915-1940

    1915-1940

    Der technische Fortschritt war allerdings nicht so seine Sache. Als es darum ging. die Trasse für die AKN festzulegen, hat er sich vehement dafür eingesetzt, dass Bimöhlen unberührt blieb. Die Bimöhlener würden dies heute sicher gerne rückgängig machen.

    Das Schicksal meinte es nicht gut mit der Familie. Die einzige Tochter Friederike war mit Hans Philipp Mundt verheiratet, der 1915 im I. Weltkrieg fiel und Frau und Tochter Isolde hinterließ. Durch viel Pech mit Verwaltern und Pächtern war Ludwig Moritz gezwungen, bis an sein Lebensende in diversen Prozessen um seinen Hof zu kämpfen.

    Als er 1928 starb, hatte er das zwar geschafft, aber mit der Landwirtschaft konnten die Hinterbliebenen kein Geld verdienen. Die Enkeltochter Isolde heiratete 1933 den Arzt Hans Erich Holst und stand nach dessen Tod im Dezember 1940 wieder alleine mit ihren Kindern Peter und Frauke vor der Aufgabe, mit Hilfe von Verwaltern den Betrieb zu führen.
  • 1940-1960

    1940-1960

    Kriege, Inflation, schlechte Erträge, ständig wechselnde Verwalter führten letztlich dazu, dass I960 ein radikaler Schnitt nötig wurde.

    Die alten Gebäude und 80 ha Land wurden verkauft und für den Resthof wurden neue Gebäude errichtet. Gleichzeitig wurde der Betrieb neu ausgerichtet, die Milchviehhaltung und die Schweinemast wurden aufgegeben, die Legehennenhaltung kam als neuer Betriebszweig dazu und von den Rindern wurden nur noch Mastbullen gehalten.
  • 1964-heute

    1964-heute

    Der Urenkel Dr. Peter Holst übernahm 1964 die Leitung des Betriebes zunächst nebenbei, weil er noch in Hamburg bei der BEZ tätig war. Die Belastung wurde aber bald, besonders natürlich auch für seine Frau mit drei kleinen Kindern, zu groß und es fiel die Entscheidung, sich ganz dem Betrieb zu widmen. Folgenschwer wog dabei besonders die Spezialisierung auf die Selbstvermarktung und die Legehennenhaltung.

    Es war ein mühsamer Weg und erst durch die Vergrößerung des Sortimentes auf Frischgeflügel, den Verkauf auf Wochenmärkten in Hamburg sowie die Einrichtung des Hofladens in Bimöhlen wurde es eine Erfolgsgeschichte und entwickelte sich zu einem gesunden Fundament für den Betrieb. Die Haltung von Weidemastgänsen, die Aufnahme einer eigenen Produktion von Spezialitäten und nicht zuletzt eine absolute Zuverlässigkeit bei der Belieferung der Kunden haben weiter dazu beigetragen.

    Heute bewirtschaftet der Ururenkel Jan Holst mit seiner tüchtigen Frau Regina den Betrieb und die beiden haben den eingeschlagenen Weg konsequent und sehr erfolgreich weiter befolgt. Die Produktion von Spezialitäten konnte durch die Einstellung von einem Schlachtermeister und einem Gesellen deutlich vergrößert werden. Als Kunden werden namhafte Spitzenrestaurants und Großküchen beliefert. Der Betrieb beschäftigt heute 6 Festangestellte und 7 Aushilfskräfte.

    Aber das Schönste ist, dass mit den Söhnen Alexander und Michael die Hoffnung auf eine 6. Generation, einem Urururenkel als Bauern, berechtigt ist. Insofern ist die Pionierarbeit unseres Urahnen Ludwig Moritz doch noch eine Erfolgsgeschichte geworden, die ihn sicher sehr zufrieden stellen würde.